Müritz-Triathlon 2016

Gut eine Woche ist er nun her: Der Müritz Triathlon 2016. Im letzten Jahr noch alleine angereist, habe ich dieses Jahr Begleitung durch Simon, der ebenfalls startet. Das Frühstück gibt es bereits um halb 7, fünfeinhalb Stunden vor dem Start. Abfahrt ist um kurz nach 7. Wie immer gibt es Haferbrei. Dieses Mal habe ich allerdings ein wenig mehr gekocht. So verschwindet die Hälfte des Gekochten im Einmachglas und wird, so wie es sich gehört, 3 Stunden vor dem Startschuss, ergo auf der Bahnfahrt verputzt.
So weit so gut - In Waren angekommen treffen wir bereits erste bekannte Gesichter und begeben uns dann irgendwann entspannt zur Startnummernausgabe, wo die erste Überraschung auf mich wartet: "Name?" - "Stelzner" - ... "Oh, die Nummer 1!". Oh ja, ich habe mich gefreut wie ein Schneekönig! Wie sich herausgestellt hat, werden die Startnummern 1-6 für die ersten sechs Athleten des Vorjahres reserviert und, da von den schnellsten 5 des Vorjahres niemand angetreten ist, hatte ich die große Ehre, die Startnummer 1 zu übernehmen - erstmals in einem Triathlon! Als kleiner Bonus ergab es sich dann zusätzlich, dass die Wechselplätze 2-6, welche in der Wechselzone durchnummeriert waren, frei blieben und ich somit praktisch unendlich viel Platz habe.

Nach etwas Smalltalk mit einigen der anderen Starter es waren wirklich angenehm viele Bekannte am Start - ertönt der Startschuss zum 2 km lange Schwimmen in der Binnenmüritz pünktlich um 12 Uhr. Zu meinem Glück wird mit Neoprenanzug geschwommen, die Wassertemperaturen sind haarscharf an der 22°C-Grenze (Neoverbot). Die Wasseroberfläche ist ähnlich wellig wie im vergangenen Jahr, nur nicht ganz so schlimm. Es werden 2 Runden à 1 km geschwommen mit einem kurzen Landgang zwischendurch. Gestartet wird vom Land aus in die zunächst sehr flache Müritz, was einem so einiges an technischer Finesse abverlangt. Technische Finesse, die mir offensichtlich fehlt. Ob beim Hereinlaufen, Ausstieg, beim ersten oder zweiten Mal - Wenn ich mich fürs Gehen im kniehohen Wasser, Delphinsprünge oder Schwimmen entscheide, scheint es immer falsch zu sein, denn an diesen Stellen werde ich immer gnadenlos eingeholt oder überholt. Aber irgendwann ist auch das Schwimmen vorbei. Somit habe ich immerhin nach gut 32 ein halb Minuten wieder dauerhaft festen Boden unter den Füßen. Sicher keine gute Zeit, aber immerhin über 2 Minuten schneller als im letzten Jahr mit 17 Männern (und die spätere Siegerin) vor mir, mit dabei Simon, der unmittelbar vor mir das Wasser verlässt.

 

Im Anschluss gelingt mir überraschend die schnellste T1 (erster Wechsel) des gesamten männlichen Starterfeldes und schwinge mich auf den Carbonesel. Nach kurzer Zeit überholen mich dann die ersten Gegner, unter anderem auch Simon, den ich in der Wechselzone kurzzeitig hinter mir lassen konnte aber auch Peti, den ich eigentlich etwas später erwartet habe. Dran bleiben unmöglich, es kommen erste Zweifel auf. Nach 10 Radkilometern reißt dann auch noch ein Kabelbinder, der eine sichere Befestigung der Lenkerradflasche gewährleisten sollte. Einen kurzen Zweifel daran, ob es nun überhaupt noch rein technisch weitergehen kann, fahre ich weiter und halte in der Liegeposition stets die Trinkflasche fest, was glücklicherweise aber auch die Radleistung nicht weiter beeinflusst und auch bis zum Ende gut geht.
Der Focus liegt in diesem Teil des Rennens vor allem auf der Ernährung. Im Hinblick auf den Ironman Copenhagen, will ich testen ob ich 90 g Kohlenhydrate die Stunde gut vertrage. Mit 5 Gels in der einen Radflasche mit je 23 g KH, einer Flasche Iso mit ca. 65 g KH und einer geschätzten Zeit von 2:00 h habe ich alles dabei, was ich brauche.
...und die Beine? Wie letztes Jahr wurden sie nach ca. 25 km unfassbar schwer. Ich hatte langsam keinen Bock mehr, wurde hin und wieder überholt und wusste irgendwie nicht mehr so wirklich, was Phase ist. Glücklicherweise, ich weiß nicht wieso, geht es aber auf der zweiten Runde wieder besser voran, und ich fange mich, kann sogar die letzten 15 Kilometer zulegen und mache noch etwas Zeit ein paar Plätze gut. Erneut direkt hinter Simon erreiche ich die zweite Wechselzone auf Platz 11. Meine Verpflegung? Komplett verputzt und es geht mir wieder gut! Der zweite Wechsel erfolgte nicht ganz so schnell, da ich aufpassen musste, dass meine Lenkerradflasche am Rad bleibt, aber das passt schon.

 

Kurz nach Laufstart sehe ich schon den ersten Konkurrenten, welcher als dritter vom Rad gekommen ist, aussteigen. Kurz danach laufe ich auf Simon auf. Damit ist es dann schon mal Platz 9. Nach einer weiteren Überholung kann ich bei der ersten Wende meine Platzierung abzählen: Bereits auf Platz 8! Der bis da hin Führende erwischt einen schlechten Tag und kann nur noch gehen und steigt wenig später aus. Etwas später überhole ich einen weiteren Gegner und befinde mich nach der ersten von 2 Laufrunden und 10 km bereits, wie es dann auch moderiert wird, auf Platz 6 - einem Rang der sogar bereits mit Preisgeld prämiert wird. In der zweiten Runde laufe ich dann auch irgendwann auf Peti auf. Nach einem kleinen Dialog stellt sich heraus, was ich vermutet hab: Peti läuft heute wie gewohnt sehr stark (am Ende des Tages holt er sich die zweit schnellste Laufzeit des Tages), allerdings habe ich heute wohl die Laufbeine meines Lebens erwischt. Wer weiß woran es liegt - vermutlich die gewissenhafte Verpflegung - gelang es nicht nur bereits mit 2 Kilometern um 3:37 anzulaufen, sondern auch gar nicht so viel langsamer zu werden. Ein weiterer Gegner ist ausgestiegen und 4 Kilometer vor dem Ziel kann ich sogar noch mit einer letzten Überholung Platz 3 ergattern. Laufzeit für 20 km: 1:14:52  - Ein Traum!

 

Ein geniales Erlebnis, ein wunderschöner Tag! Niemals hätte ich es für möglich gehalten das Podium in diesem Jahr an der Müritz zu erreichen. Da war es auch nicht so schlimm, dass ich die nächsten 10 Minuten an den Boden gefesselt war - Das erste Dutzend Versuche aufzustehen ging direkt in Oberschenkelkrämpfe über. Gewonnen haben Fabian und Robert vom Tri-Team Hamburg - Glückwunsch an dieser Stelle!
Was mich angeht, hat sich mein Plan für Kopenhagen etwas verändert. Die Devise lautet nun: Vorsichtig Schwimmen, kontrolliert Radeln und einfach mal versuchen einen Marathon unter 3h zu laufen - Im Triathlon eine Seltenheit, ganz besonders beim Ironman Copenhagen - Aber die Versuchung ist da - und sie ist groß. Wer nix wagt...

Danke fürs Lesen! Also dann in zwei Wochen geht es rund ( ; Dann auf der klassischen Distanz. Und die jüngsten Trainingseinheiten haben mir gezeigt: Es könnte so richtig geil werden!

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