Mein Marathon-Herbst 2015

Besser spät als nie. Es ist nun schon etwa Zeit vergangen, und ich habe mir schon vor längerer Zeit vorgenommen, einen Bericht zu schreiben. Aber wie es häufig so ist, hat man entweder keine Zeit oder keine Lust, aber nun ist es so weit ( :
Zunächst zum groben Trainingskonzept und der Vorgeschichte. Dank Mizuno, speziell Claudius, wurde mir ein Freistart beim Amsterdam Marathon ermöglich (an dieser Stelle schon mal vielen lieben Dank!). Aufgrund eines kleinen Missverständnisses dachte ich gut einen Monat vorm Amsterdam Marathon, dass das Ganze dann doch scheitern würde, womit ich dann meinen Herbst Marathon 2 Wochen vorverlegt habe und zwar nach Bremen. Ein Marathon nach meinem Geschmack: Recht familiär, schneller Kurs und laut den Ergebnislisten der letzten Jahre war auch mit einem guten Starterfeld (bezogen auf meine Bedürfnisse) zu rechnen. Das Ziel stand schon länger fest: Eine Zeit unter 2:40:00 h.


Obwohl sich die direkte Vorbereitung auf 5 Wochen verkürzte, wollte ich auch nicht von dem Plan abrücken. Das Trainingskonzept, welches ich auf KEINEN Fall pauschal weiterempfehlen würde, will ich hier kurz vorstellen: Unmittelbar nach der Beendigung der Triathlonsaison (also unmittelbar nach dem Inseltriathlon) folgten 2 Grundlagenwochen, in denen einfach nur stumpf in moderatem Tempo Laufkilometer gesammelt wurden, endend mit einem Tempodauerlauf über 16,1 Kilometer im Rahmen des Airport Races in Hamburg (2. Platz in 59:01 min).

In den Grundlagenwochen wurden jeweils über 100 Kilometer gesammelt (Ein Läufer mag schmunzeln, für einen Hobbytriathleten ist das eine Menge Holz). Anschließend folgten 2 Aufbauwochen, ebenfalls jeweils mit ca. 100 Laufkilometern. In diesem 2 Wochen standen 5 Intervalleinheiten (beginnend mit 400ern, endend mit einem 3K-Intervall) und 2 Tempodauerläufe auf dem Plan (jeweils 10K, der zweite war im Rahmen des Hanseruns). Zudem fand genau 2 Wochen (etwas knapp, aber okay) vorm Bremen-Marathon der längste Dauerlauf mit 36K auf dem Plan. All das ist das, war es, was ich letzten Endes ausgeführt habe. Es dürfte für den ambitionierten Hobbysportler kaum erwähnenswert sein, dass vorab im Laufe des Plans hier und da was umgeschrieben werden musste, wenn ich nach einer Einheit das Gefühl hatte, dass es nicht so lief, wie es sollte. Ich war schon recht vorsichtig. Die Wettkampfwoche war völlig standardmäßig: Umfänge deutlich reduziert und den Körper aufs angestrebte Wettkampftempo vorbereitet, Carboloading mit ca. 700g KH 2 Tage vorm Showdown.


4. Oktober 2015: Heute ist Bestzeittag! Mit dem Zug geht es nach Bremen, auf dem Weg steigt Simon in Reinfeld dazu. Er wird später am Tage seine 10K-Bestzeit unterbieten. Bei unserer Ankunft in Bremen treffen wir Fabi, ebenfalls in diesem Blog schonmal erwähnt, der an dem Tag genau wie Simon am 10K-Lauf des Bremen Marathons teilnehmen wird. 10 Minuten nach dem Startschuss zum 10er um 9:45 Uhr geht es auch für mich und ca. 1000 andere auf die 42,2 Kilometer lange Strecke. Kilometer 1 lege ich in 3:39 min zurück und die Beine fühlen sich gut an. Ich befinde mich an 5. Position nachdem sich der Anfangstrubel gelegt hat. Nach ca. 6 Kilometern schließe ich zum 4. auf, überhole ihn auch kurz, doch etwas später zieht er dann davon, weicht mir nie aus dem Blickfeld aber erläuft sich ein paar Meter Vorsprung. Auf langen geraden kann ich noch die Spitze und den mehrfachen Sieger Oliver Sebrantke sehen. Angesagt war eine Siegerzeit unter 2:30 h. Es war dann doch etwas langsamer an der Spitze. Nach 10 Kilometern und 37:11 min bekomme ich von einem Streckenposten "57 Sekunden zur Spitze" zugerufen. Ich bin posititv überrascht und die Beine fühlen sich auch noch prächtig an. Die erste Hälfte des Marathons lege ich unter 1:18 zurück - Ein schnellerer Halbmarathon ist mir in der Vergangenheit erst einmal gelungen. Verrückt - ich scheine an diesem Tag echt Topform zu haben, denn die Beine fühlen sich auch noch locker an. Häufig kommt man an Zuschauermengen vorbei, die einen anfeuern und einem (zumindest mir) ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Häufig höre ich sowas wie "Der sieht aber noch locker aus" - Sowas will man hören, ich fühlte mich auch noch so. Nach 25 Kilometern treffe ich Simon und Fabi am Streckenrand, Simon läuft ein paar Meter mit mir mit, so dass wir uns ein bisschen über das bisher geschehene austauschen können. Ich erfahre, dass es bei Simon für Platz 3 und einer niedrigen 34er Zeit gereicht hat, gute Nachrichten - sowas hilft immer und schafft Motivation. Etwas später hole ich dann den 4. ein, der mir wie oben beschrieben vor knapp 20 Kilometern enteilt ist. Ich frage ihn, wie er sich fühlt und er antwortet "schwach". Etwas später erfahre ich dann auch, dass er aussteigen musste. Marathon kann hart sein. Zu meinem Glück war der Marathon sehr viel gnädiger zu mir - erstaunlich, geradezu ungewöhnlich gemessen an meinen bisherigen Marathonerfahrungen. Kurz danach erfahre ich von einem der Radbegleiter, dass die Spitze nun auseinander gefallen sei. Sie bestand bis dato aus 3 Leuten. Nun wird aus Spaß Ernst... Nein - vielmehr bleibt der Spaß und es kommt Ernst dazu.
Dann geschieht es: Ein anderer Radbegleiter gesellt sich zu mir. Er stellt sich als Holger vor und an seinem Lenker befindet sich ein Schild mit der Aufschrift "3. Mann". Holger erzählt mir, dass einer der 3 Läufer aus der ursprünglichen Spitzegruppe ausgestiegen sei. Es dauert nicht lange und mit wenigen Minuten auf die Spitze habe ich eine immense Lücke hinter mir bis zum 4. Im Renngeschehen passiert nun eigentlich nicht mehr viel. Spätestens jetzt geht das Rennen für mich nur noch gegen die Uhr oder mit der Uhr... Ich hatte richtig Spaß! Die Sonne lacht, die Zuschauer an der Weser jubeln, ich freu mich. nach 38 Kilometern geht es durch das Weser-Stadion, der letzte Blickfang vorm Zieleinlauf. Der 41. Kilometer bei Gegenwind wurde dann nochmal richtig hart. Die Einzigen 4 Minuten im kompletten Rennverlauf, in denen ich "gelitten" habe. Ich erreiche das Ziel mit unter einer Minute Rückstand zum Zweitplatzierten in 2:37:54 h - Persönliche Bestzeit, Ziel erreicht.

Wenige Tage später erfahre ich, dass ich doch meinen Start in Amsterdam wahrnehmen kann. Um mich kurz zu fassen: Es gab erstmal eine Ruhewoche mit viel ungesunder Ernährung und die Wettkampfwoche mit viel Disziplin. Den Amsterdam Marathon kann ich dann als 2. Marathon innerhalb von 2 Wochen in 2:42:34 h auf Platz 99 beenden. Ein hervorragendes Ergebnis mit dem auch nicht unbedingt zu rechnen war. Das komplette Rennen fühlte sich zu keinem Zeitpunkt wirklich schwer an. Ein sehr schöner Lauf war das, wenn es insgesamt aber ein sehr verregnetes Wochenende in Amsterdam war. Darüber zu sinnieren, warum das alles geklappt hat (5 Wochen direkte Marathon-vorbereitung), würde den Rahmen eines Blogeintrags sprengen. Es sei nur kurz gesagt: Es gehört schon etwas Erfahrung dazu, man muss ehrlich zu sich selbst sein. Es war natürlich nicht von 0 auf 100, sondern aus der Triathlonsaison heraus also mit einer Umfangreichen Grundlage und die Form wirklich aufgebaut habe ich über monate im Winter, die 5 Wochen waren weniger ein Aufbau sondern viel mehr eine Reaktivierung. Eine gezielte Marathonvorbereitung dauert normalerweise viel länger!


Ja ja, so war das... Was ist seitdem passiert? Ich hab 2 Wochen pausiert und bin anschließend sehr sehr viel geschwommen. Bei den Stadtmeisterschaften über 400 Meter Freistil (Kurzbahn) habe ich mein Ziel von 5:15 min leider deutlich verfehlt und konnte keinen Punkt für den Tri-Sport Lübeck erschwimmen. Naja, aufstehen, weitermachen. Aktuell bin ich mit Simon 2-3 Mal die Woche beim Kraftraumtraining, zudem geht es noch Regelmäßig ins Wasser und seit Kurzem auch mit dem Rad auf die Rolle (Wenn man's richtig anstellt, kann auch das großen Spaß machen!). Morgen geht es nach Ratzeburg zum Adventslauf. Ich freu mich schon!

Danke fürs Lesen!

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